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18. Dezember 2008
Stefan Pannor
für satt.org

Calvin und Hobbes: Das zehn Jahre Jubel-Buch

Calvin und Hobbes
Das zehn Jahre Jubel-Buch

Das war der letzte glückliche Geburstag: im Oktober 1985 waren erstmals „Calvin und Hobbes“ in relativ wenigen Tageszeitungen erschienen. Im Oktober 1995, sehr viele Tageszeitungen, Preise und den Weltruhm später, feierte das „Tenth Anniversary Book“ die Erfolgsgeschichte des Strips - nur Wochen, ehe „Calvin und Hobbes“-Schöpfer Bill Watterson die definitive Beendigung der Serie (und seiner gesamten Arbeit als Comiczeichner) bekannt gab.

Es ist heute schwer vorstellbar, welchen Eindruck „Calvin und Hobbes“ bei ihrem ersten Erscheinen machten. Comicstrips waren zu dem Zeitpunkt eine stagnierende Kunst, die meisten von ihnen erstarrt im Einerlei des Ein-Gag-pro-Tag, grafisch zunehmend unaufwändiger, extrem ökonomisch in den Dialogen und möglichst darum bemüht, keine Tabuthemen zu berühren.

Wattersons Strips waren, wenn auch nicht sofort von Beginn an, genau gegen diesen Strich gebürstet: grafisch detailiert, mitunter extrem naturalistisch, voll von Dialogen zu einer Zeit, als die meisten Strips mit drei oder weniger Sprechblasen pro Tag auskamen. Es war ein letztes Anrennen gegen den Zeitgeist, und eines das bei allem Frust offensichtlich mit Lust betrieben wurde: der aufmüpfige Calvin zerlegte mit Geist und Egoismus alle Vorstellungen einer behüteten Kindheit, Hobbes zementierte die Erkenntnis, dass Kuscheltiere die besseren Denker sind, und beide zusammen feierten knapp 3.000 Strips lang die wachsende Befreiung von allen Normen.

Der Erfolg gab ihnen recht. Watterson, um die Reinheit seiner Schöpfung bemüht, liess bis auf Buchnachdrucke der Comics alle Arten von Merchandising verbieten, obwohl ihn dies zum Millionär gemacht hätte. Es sind diese Bücher, die jüngst bei Carlsen als Neuedition abgeschlossen wurden.

Während man den Zweck dieser Bücher aber zumindest anzweifeln kann (weil sie nicht vollständig sind und weil bereits für 2009 Sammelbände der bestehenden Ausgaben mit weiterem Bonusmaterial angekündigt sind), ist dieser Band zum zehnten Jubiläum (obwohl auch, wie alle „Calvin und Hobbes“-Bände bei Carlsen, eine Neuauflage lange vergriffener Bücher) über alle Zweifel erhaben, selbst 13 Jahre nach dem Geburtstag.

Zwar enthält er keinerlei neue Comics. Dafür aber ausführliche Anmerkungen Wattersons zur Entstehung der Serie, zu den Figuren und zu einzelnen Strips. Quasi als Audiokommentar zu „Calvin und Hobbes“ ist dieser Band der unverzichtbare Appendix eines der großartigsten Comics aller Zeiten und vielleicht des letzten wirklich großen Comicstrips, der aus den Tageszeitungen erwachsen ist.



Bill Watterson: Calvin und Hobbes
Das zehn Jahre Jubel-Buch

Carlsen Comics 2008
208 S.; € 19,90
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