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23. Oktober 2008
Stefan Pannor
für satt.org

  Seide und Schwert – Erstes Buch: Wisperwind
Seide und Schwert
Erstes Buch: Wisperwind

Splitter Verlag 2008
72 S., € 15,80
» Splitter
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Seide und Schwert

Autor: Kai Meyer, Yann Krehl; Zeichner: Ralf Schlüter;
Colorist: Dirk Schulz; Inker: Horst Gotta

Wer eine Adaption, sei es nun eines Buches, Filmes, Hörspieles oder irgendeines anderen erzählenden Werkes in ein anderes Medium vornimmt, steht immer vor der Frage, wie treu er dem Original bleibt - sowohl vom Stoff her als auch im Geiste.

Es ist keine Frage des Erfolgs. Die diversen deutschen Edgar-Wallace- und Karl-May-Filme oder - qualitativ einige Stufen höher - viele der Filme Hitchcocks haben wenig bis nichts mit ihren Vorlagen gemein. Auf der anderen Seite steht zum Beispiel Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“, das bis auf das letzte Kapitel fast identisch mit Burgess' Romanvorlage ist - und hätte Kubrick dieses Kapitel, das in der amerikanischen Buchausgabe fehlte, gekannt, er hätte es ebenfalls verfilmt. Erfolgreich waren alle diese Filme.

Für die Adaption der „Seide und Schwert“-Trilogie des einheimischen Bestseller-Autors Kai Meyer hat sich der federführende Splitter-Verlag für die Kubrick-Methode erschienen. Auf sechs Comicalben werden die drei Bücher umgebrochen, und zumindest im ersten Band kann man die nach der notwendigen Kürzung (immerhin reden wir hier von je 200 Romanseiten, die zu 68 Comicseiten eingedampft werden) noch verbliebenen Dialoge praktisch im Originallaut der Vorlage in den Sprechblasen lesen.

Meyers Serie spielt im China das 18. Jahrhunderts, wo der italienischstämmige Bewohner einer Wolkeninsel, erschaffen von flüchtigen Medici nach Plänen von Leonardo daVinci, einen Drachen auftreiben muss - denn nur dessen Atem bildet den sogenannten Aether, den Stoff, der die Wolkeninsel in den Lüften zu halten vermag. Auf seiner Queste durch das Reich der Mitte gerät er nicht nur in innenpolitische Konflikte des Landes, sondern begegnet auch obskuren Monstern, Halbgöttern, Verzauberten und natürlich Schwertkämpferinnen.

Ihre Ursprünge hatten die Romane in den besseren Fantasy-Filmen aus Hongkong und später Hollywood, von „A Chinese Ghost Story“ bis „Tiger and Dragon“ und „Hero“. Und es ist auf jeden Fall ein Fest für Ralf Schlüter, eben diese Ursprünge wieder heraus zu arbeiten, die Worte des Buches in der Inspiration nahestehende Bilder zurück zu transformieren. „Seide und Schwert“ ist vor allem ein optisches Fest, eine einzige lange, dichtgepackte Action-Sequenz in neoklassischem frankobelgischen Stil, nicht zu hip, aber auch nicht zu altmodisch. Es steckt bewunderswert viel Mühe in den unzähligen Landschafts- und Stadtszenarien, und sie zahlt sich aus in Atmosphäre. Auch wenn die Handlung gelegentlich einer Nummernrevue gleicht, bei der eine Gefahr der anderen die Klinke in die Hand gibt, so tragen doch die opulenten, aber niemals überladenen Seiten elegant wie eine fliegende Schwertkämpferin von einer Szene zur nächsten.

Nicht umsonst schreibt Kai Meyer in seinem Nachwort, er sei gespannt, was die beteiligten Künstler aus der „romanlangen Schlacht zwischen riesigen Luftschiffen, Hunderten von Drachen, ein paar Dutzend Riesen und Tausenden von Felsenwesen machen werden“. Denn da kann man wirklich gespannt sein.