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17. Oktober 2008
Stefan Pannor
für satt.org

Rich Koslowski: The King

Rich Koslowski:
The King

Wenn der Amerikaner von einer Wiederkunft spricht, dann nennt er sie „second coming“, also zweite Ankunft. Jesus kam laut Bibel ein zweites Mal wieder, ein Gastspiel von größter Bedeutung. Und auch Elvis, so meinen einige, wird irgendwann seine Wiederkehr erleben - nicht das Comeback, sondern eben das second coming, denn der Sänger ist seit über 30 Jahren tot.

Um eben die Wiederkehr des „King of Rock'n'Roll“ geht es in Rich Koslowskis „The King“. Ausgerechnet Las Vegas, die Stadt des falschesten Scheins, hat sich jener Sänger, der Stimme und Gestus von Elvis so perfekt nachzuahmen versteht, als Ort ausgewählt, um seine Karriere als wiedergekehrter Elvis zu beginnen. Weil er nach dem Abtritt Apollos der neue Gott des Gesanges sei, erzählt er dem drittklassigen Journalisten Paul Erfurt seine wilde Mär, sei er auf die Erde zurückgekehrt. Weder jung noch wieder schlank ist er dabei geworden. Aber ansonsten ist bis auf die Gesichtsmaske, die jener apollinische King trägt, tatsächlich alles beim Alten. Der König lebt, und er ist bereit, sich sein Königreich zu holen.

Erfurt aber, jahrelang Klatschreporter und Lügenerfinder, recherchiert entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten. Er durchleuchtet den gesamten neuen Tross des angeblichen Elvis, von dem nahezu jeder Dreck am Stecken hat. Diese Recherchen allerdings, von Koslowski lang und breit erzählt, geben dem Buch den Todesstoß. Denn tatsächlich wäre eine sarkastische Darstellung des sich heute nahezu verselbständigt habenden Elvis-Kultes in den USA, der immer noch Jahr um Jahr Millionen Dollar Gewinn abwirft und dem weiterhin Zehntausende manisch folgen, nicht ohne Reiz. Und spätestens, wenn eine Kirche des heiligen Elvis und die altbekannte Mafia in jener nicht allzu harten hard-boiled-Erzählung ins Spiel kommen, wenn sich also Geld, Glauben und Gesang auf das Perfideste zu vermählen scheinen, erahnt man die Möglichkeiten, die in dieser Geschichte liegen.

Aber Koslowski erliegt den Geschichten um den schönen Schein, um Elvis als Erretter der Gefallenen, der Stripper, Spieler und Verlierer, selbst viel zu sehr. So wie seine Figur Paul Erfurt drückt auch Koslowski sich letztlich mit ein paar metaphysischen Floskeln um eine klare Aussage. Damit verhaucht die Geschichte wie der letzte Seufzer des Sängers. Elvis has left the building.



Rich Koslowski: The King
Edition 52, 264 S.; € 17,00
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