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21. August 2008
Stefan Pannor
für satt.org

Storm Band 23 – Der Nabel des doppelten Gottes

Storm Band 23:
Der Nabel des
doppelten Gottes

Als der britische Comiczeichner Don Lawrence 2003 starb, hinterließ er ein eigenwilliges Erbe, das vor allem aus zwei umfangreichen Serien bestand: „Trigan“, eine Art Fantasy-Version vom Aufstieg und Fall des römischen Reichs, und „Storm“, eine Mischung aus Buck Rogers und Conan, dem Barbaren. Beide waren so knalligbunt, so abenteuerprall, so offen sexistisch und eskapistisch, dass sie vor allem kleine Jungs und Trashconnaisseure bei der Lektüre mit offenem Mund und rotem Kopf dastehen liessen.

Storm ist ein irdischer Astronaut, der den berühmten Roten Fleck des Jupiter aus der Nähe untersuchen soll - der sich allerdings als Zeitwirbel herausstellt, welcher den Mann um Jahrtausende oder mehr in die Zukunft schleudert. Wieder daheim, hat sich alles verändert. Die Meere sind verschwunden und die Reste einer in die Barbarei zurückgefallenen Menschheit haust gemeinsam mit mutierten Rieseneidechsen und ähnlichem Ungetüm auf dem Grund der ehemaligen Meere.

Androiden und Barbaren, uralte Computer und die unvermeidliche Damsel in Distress treiben die Handlung voran, die ein gewaltiges, überreiches Zitatgemenge aus klassischen Monster- und Sandalenschinken und Pulp-Erzählungen ist. Mit jedem Album mehr steigerte sich Lawrence in immer aberwitzigere Orgien obskurer Handlungsschauplätze, gewagter Perspektiven, irrwitziger Detailmengen. Auch die Darstellung des Helden wandelte sich. Aus dem Supermann aus der Vergangenheit wurde eine fast schon karikaturistisch verzerrte Übergestalt, die nur im Fellslip gekleidet unbeschadet von Abenteuer zu Abenteuer hetzte, stets die kaum weniger knapp bekleidete Barbarin Rothaar in seiner Begleitung.

22 Alben der Reihe hat Don Lawrence gezeichnet, und wie bei vielen anderen Comicreihen, die so sehr vom Stil eines einzigen Künstlers geprägt und zum Erfolg gebracht wurden (wie etwa „Tim & Struppi“ oder „Lucky Luke“), steht natürlich die Frage im Raum, ob eine Fortsetzung mit einem anderen Zeichner wirklich möglich ist.

Mit Romano Molenaar hat der holländische Originalverlag nach mehrjähriger Suche einen Künstler gefunden, der zumindest halbwegs im Lawrenceschen Sinne arbeitet. Doch auch wenn sich Molenaar viel Mühe gibt, wirken die Bilder doch häufig ein wenig zu glatt und konstruiert, ganz im Gegensatz zum mitunter auch sehr rau und ruppig arbeitenden Lawrence.

Jener neue „Storm“ ist deutlich näher an den heute marktüblichen Fantasy-Comics, er sticht weniger heraus. Die holländischen Leser hat das allerdings nicht gestört: 20.000 Exemplare vom „Nabel des doppelten Gottes“ gingen in den ersten Wochen in dem kleinen Land über den Ladentisch. Und wer unbedingt den alten „Storm“ sucht, hat auch Glück: parallel zur deutschen Veröffentlichung des neuen Abenteuers startete auch eine Gesamtausgabe aller „Storm“-Alben in hervorragender Druckqualität und mit ausführlichen Anhängen über die Entstehung jeder einzelnen Episode.

Storm Band 23 – Der Nabel des doppelten Gottes


Romano Molenaar/Jorg de Vos/Martin Lodewijk:
Storm Band 23 – Der Nabel des doppelten Gottes

Splitter, 64 S.; € 15,80
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