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28. August 2008
Stefan Pannor
für satt.org

100!Darwyn Cooke: The Spirit

Darwyn Cooke:
The Spirit

Mindestens unter Comicfans ist der vom amerikanischen Comic-Übermeister Will Eisner 1939 erfundene Ermittler „The Spirit“ eine Legende. Über 50 Jahre nach der letzten regulären Episode sind die Comics weiterhin im Druck. Frank Miller drehte einen Film mit ihm und einige der Größten der US-Comicszene haben „Spirit“-Hommagen geschaffen.

Was ist denn dran an dem Mann? Auf den ersten Blick ist die Serie ja auch nur ein weiterer zünftiger Crime-Noir-Comic, wie sie in den 30er und 40er Jahren à la mode waren. Darin löst Denny Colt, ein für tot erklärter junger Polizist, seine Fälle unter der Maske der Anonymität - eben als Geist.

Die tiefere Bedeutung der Figur steckt allerdings schon im Titel der Serie. Denn in seinen besten Momenten war dieser Denny Colt grade mal noch aus- oder auflösendes Element für überaus reale Großstadtgeschichten, in denen sich Eisner und seine Assistenten mit dem Zeichenstift durch die verschiedenen Schichten und Klassen der amerikanischen Gesellschaft arbeiteten. Der Geist des Landes wurde da eingefangen, satirisch, melancholisch und dokumentarisch. Das gilt insbesondere für die Episoden, die nach dem 2. Weltkrieg entstanden.

Darwyn Cooke: The Spirit

Auch Cooke beruft sich auf die soziale Komponente als Zentrum der „Spirit“-Geschichten und hat darum die Serie komplett modernisiert. Aus den 40er und 50er Jahren versetzt er den Helden in die Gegenwart, wo dieser sich mit Terroristen, Punk-Musikern und Copyright-Verbrechern auseinander zu setzen hat.

Seine Inspiration holt der Zeichner sich dabei aus den Nachrichten. „Ich brauche nur fünf Minuten lang die Fox News sehen, und schon bin ich so sauer, dass ich eine weitere Episode schreiben muss“, schildert er den kreativen Entstehungsprozess der Comics. Mit dieser Modernisierung fühlt er sich ganz im Geist des Originals. Immerhin habe auch Eisner sich bei den Nachrichten bedient, „er schaute nicht zurück auf die guten alten Zeiten, er hantierte mit dem Hier und Jetzt.“

Dass die Episoden dabei jetzt 22 Seiten lang sind und nicht mehr wie bei Eisner sieben, fällt nicht weiter ins Gewicht. Cooke ist ein zu versierter Autor und gleichzeitig Zeichner, als das es ihm nicht gelänge, auch auf so viel Raum den Geist des Spirit angemessen einzufangen. Die Geschichten sind dynamisch und von leichter Ironie durchzogen, die Zeichnungen wandern auf dem schmalen Grat zwischen Nostalgie und moderner Klarheit. Dass der Kanadier Cooke, der die US-Szene bereits seit Jahren bereichert, einer der begabtesten Erben Eisners ist, steht spätestens nach diesen Geschichten, die einen direkten Vergleich gestatten, außer Frage.

Elf Hefte und ein Crossover mit Batman lang konnte Cooke von seinem optimistischen Spirit erzählen, wie dieser sich mit stets charmantem Lächeln durch die Unbilden unserer Gegenwart schlägt, ehe er sich aufgrund personeller Umstrukturierungen bei DC Comics von der Serie verabschiedete. Die erste Hälfte dieser Geschichten liegt inzwischen auf deutsch vor, die zweite ist in Vorbereitung. Die klassischen Spirit-Episoden erscheinen auf deutsch bei Salleck Publications in angemessen noblen Hardcovern.



Darwyn Cooke: The Spirit
Panini Comics; 144 Seiten; 16,95 €
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