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Mai 2008
Christopher Pramstaller
für satt.org

Christophe Badoux: Klee

"Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar."

Eine Comic-Biographie
über Paul Klee

Deutsche Biografien der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind stets von immensen Umwälzungen und Veränderungen gekennzeichnet. In einem Zeitalter, das vom militaristisch-konservativen Klima des Wilhelminismus geprägt war, dauerte es nicht lange, bis die Tragödie des Ersten Weltkrieges Europa heimsuchte. Was darauf folgte waren die turbulenten Jahre der Weimarer Republik, in denen sich die politischen Pole zunehmend radikalisierten, und der Nationalsozialismus, der schließlich zur endgültigen Katastrophe führte.

Für Künstler sind solch aufgewühlte Zeiten von zwei Aspekten geprägt. Einerseits leisten die Obrigkeit und das allgemeine kulturelle Klima Widerstand gegen künstlerisch-freiheitliches Denken, erschüttern es in ihren Grundfesten und stellen es auf die Probe. Andererseits ist es aber genau diese kulturelle Blockade und der massive Widerstand, die für den Künstler Antrieb für die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schaffen im gesellschaftlichen Kontext ist, und so ein ungemein großes Potential bereitstellt, um Neues zu schaffen.

Christophe Badoux: Klee
Christophe Badoux studierte die Stationen und Personen in Paul Klees Leben sehr genau, um sie im Comic adäquat umzusetzen.

(© der Abbildungen:
Christophe Badoux/ Edition Moderne)

Paul Klee war einer der Menschen, die sich mit all diesen Ereignissen auseinander setzen mussten. In der Zeit des künstlerischen Aufbruchs wurde er zu einem der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts, der Werke in zahlreichen unterschiedlichen Stilen schuf. Um auch jüngeren Lesern sein Leben und Werk in zeitgenössischer Art und Weise näher zu bringen, haben sich nun das „Zentrum Paul Klee“ und der Zeichner und Illustrator Christophe Badoux zusammengefunden, um durch das Medium Comic Interesse am Menschen Paul Klee und seiner Kunst zu wecken. Die Zusammenarbeit zwischen Badoux und dem „Zentrum Paul Klee“ in Bern stellte sich dabei als äußerst intensiv dar. Badoux hat lange und gründlich für die Arbeit am Comic recherchiert, um eine möglichst authentische Umsetzung zu ermöglichen. Ein Großteil der Dialoge basiert so auf Originaleinträgen aus Klees Tagebüchern, die er Zeit seines Lebens intensiv führte und nun den Grundstoff dafür bieten, sein Leben hautnah mitfühlen zu können. Wirft man einen Blick auf die letzten Seiten des Comics, trifft man schließlich sogar auf ein Glossar, das weiter den Anspruch verdeutlicht, dass es sich um eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit der Thematik handelt.

Die Geschichte setzt in Klees Jugend in Bern ein, in der er schon früh künstlerisch tätig wurde. Über München und die Künstlergruppe „Blauer Reiter“ mit Wassily Kandinsky, führt uns der Comic schließlich zum Bauhaus nach Weimar und Dessau. 1937 in der Ausstellung „Entartete Kunst“ diffamiert, wird schließlich der Nationalsozialismus thematisiert, aufgrund dessen Klee nach Bern emigrieren musste. Und hier schließt sich schließlich auch wieder der Kreis an den Schauplätzen, die aus der Jugend bekannt sind.

Alle prägenden persönlichen und künstlerischen Ereignisse im Leben Paul Klees werden so vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte aufgearbeitet und auf 67 farbigen Seiten im von Hergé geprägten Stil der Ligne Claire umgesetzt. Christophe Badoux hat allerdings nicht nur das Leben Klees durch seine Zeichungen in Szene gesetzt. Auch Klees Werke, die am Ende der einzelnen Kapitel zu finden sind, und dadurch explizit den künstlerischen Werdegang verdeutlichen, hat er in seinem eigenen Stil umgesetzt und nachgemalt. So verleiht Badoux ihnen einen ganz eigenen und neuen Charakter.

Christophe Badoux: Klee
Skizze für den Comic. Hier die Stadt Kairouan in Tunesien, wohin Paul Klee mit den Künstlerfreunden August Macke und Louis Moilliet 1914 eine Reise unternahm.

Leider sind die einzelnen Kapitel mit jeweils fünf bis sieben Seiten etwas kurz gehalten. So scheinen die einzelnen Abschnitte des klee'schen Lebens an einigen Stellen etwas verkürzt. Denn wenn man sich als Leser gerade auf die Stimmung einer Lebensphase eingestellt hat, vollzieht die Geschichte teilweise große Sprünge und setzt einige Jahre später, an weiteren bedeutenden biographischen Punkten wieder ein. So wird zwar durchaus eine stringente Geschichte erzählt, der Schwerpunkt liegt allerdings ganz klar darauf, Schlaglichter auf bedeutende Ereignisse in Klees Leben zu werfen, um dadurch ein Gesamtbild zu schaffen und weniger darauf, eine wirklich lückenlose Biographik zu entwerfen.

Entstanden ist so ein kurzweiliges und lehrreiches Comic-Lesevergnügen, das trotz der sicherlich didaktischen Intention nie ins Oberlehrerhafte verfällt. Somit stellt der Comic sicherlich nicht nur für junge Leser eine interessant Auseinandersetzung mit dem Leben und Werk Paul Klees darstellt. Badoux gibt schließlich nicht nur das schon Sichtbare wieder, sondern lädt zu einer Beschäftigung mit dem Leben eines Künstlers ein, die so offen und einladend gestaltet ist, dass sie auch Neues sichtbar machen kann.



Christophe Badoux: Klee
Edition Moderne 2008
67 S. farbig, € 19,80
» Edition Moderne
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Christophe Badoux: Klee
Eine der fertiggestellten Seiten des Comics im Stil der Ligne Claire.