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Februar 2008
Stefan Pannor
für satt.org

Roger Leloup: Yoko Tsuno
Die deutschen Abenteuer

Yoko Tsuno - Die deutschen Abenteuer

Roger Leloup war im Studio Hergé der Mann für's Feine - aus seiner Feder stammt ein Großteil der detailierten Technikdarstellungen und einiges an Hintergründen der meisten späten „Tim & Struppi“-Alben. Ende der sechziger Jahre löste sich Leloup vom Studio, um sich eigenen Comicschöpfungen zu widmen.

Aus den diversen Plänen, die Leloup für sein eigenes Schaffen hatte, wurde letztlich im Grunde nur einer: „Yoko Tsuno“, die Abenteuerserie um eine junge Japanerin, die rund um die Welt, im Weltraum und in verschiedenen Zeiten Abenteuer erlebt. 24 Alben und einen Roman hat Leloup bis dato produziert. Demgegenüber stehen nur ein Album und ein Roman mit anderen Charakteren aus seiner Feder.

„Yoko Tsuno“, graphisch stark dem Geist von Ziehvater Hergé und dessen Ligne Claire verpflichtet, gilt heute als einer der kleineren Klassiker der europäischen Comics. Die Lektüre dieses ersten Bandes der von Carlsen Comics gestarteten Gesamtausgabe der Reihe macht auch klar warum. „Die deutschen Abenteuer“ behandelt jene drei Episoden der Serie, die in Deutschland spielen. (Aus unerklärlichen Gründen ist diese Gesamtausgabe nicht chronologisch sortiert, sondern thematisch.)

Alle drei Geschichten folgen dem klassischen Muster des scheinbar Mysteriösen, das sich mit ein wenig Detektivarbeit und Action schließlich als völlig rational belegen läßt. Falsche Teufel, Vampire und Blitzschleuderer sind hier die Schurken. Die Abenteuer sind zwar allesamt sehr handfest konstruiert, in sich schlüssig und mit einer bestechenden Liebe zum Detail und Gespür für Perspektiven umgesetzt. Auch fehlt es ihnen nicht an den „richtigen“ Botschaften: Freundschaft, Vertrauen, Toleranz.

Und dennoch wirken die drei Erzählungen steril. Die Charaktere sind allesamt zweidimensional und entsprechen nur den simpelsten Anforderungen. Nur zu gern verliert sich Leloup in technischen Darstellungen und Erläuterungen, die eher ermüden. Zwar sind das Kritikpunkte, die auch für „Tim & Struppi“ gelten. Dennoch wirkt das wesentlich ältere Comicuniversum Hergés heute noch frischer, burlesker, abwechslungsreicher als die zwar detailgetreuere, dafür aber auch sichtlich reißbrettartigere Welt Leloups, in der alles deutlich erkennbar einem erzählerischen Plan folgt.

So ist „Yoko Tsuno“ am Ende vor allem ein optischer Genuß. Die Gesamtausgabe wird aufgewertet durch einige ausführliche Anmerkungen Leloups zu den Alben, die zudem - mit Skizzen und Fotos versehen - herrlich aufwändig präsentiert werden. Demgegenüber steht eine offensichtliche Textbearbeitung der Alben. Da werden dann Yoko in einer offensichtlich in den siebziger Jahren spielenden Geschichte schon mal „10.000 Euro und ein unbegrenzter Etat“ angeboten. Es bleibt abzuwarten, ob solche und ähnliche unnütze Modernisierungen auch für die Folgebände vorgenommen werden.



Roger Leloup: Yoko Tsuno - Die deutschen Abenteuer
(Gesamtausgabe Bd. 1); Carlsen Comics; 180 S.; € 29,90
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