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Februar 2008
Stefan Pannor
für satt.org

Haimo Kinzler: Krigstein
Haimo Kinzler: Krigstein
Haimo Kinzler: Krigstein

Haimo Kinzler: Krigstein

1998 erhielt Haimo Kinzler völlig zu Recht den Max-&-Moritz-Preis als bester deutscher Künstler für seine Serie „Herr Wüttner & Frau Kleinschrott“, skurril-absurde Untermieterabenteuer aus dem Schwäbischen. Es scheint jedoch ein Fluch über diesem Preis zu liegen: zeitgleich erschien das letzte „Wüttner“-Buch, gleich mit mehreren Cliffhangern. 1999 schließlich erschien der erste Band von „Krigstein“. Und dann verschwand Kinzler als Comiczeichner in der Versenkung.

„Krigstein“ schilderte damals die letzten Tage des dritten Reiches als Animal Funny. Zeichnerisch war das sichtlich an Trondheims „Herr Hase“-Bücher angelehnt (auch wenn der Waschzettel des Verlags diesen Vergleich irgendwie abstreitet). Gar nicht mal ungeschickt jonglierte Kinzler mit wenigstens zwei Dutzend Figuren auf diversen Handlungsebenen - zu Land, zur Luft und auf der See - deren Schicksale alle irgendwie mit einem geheimnisvollen Koffer verwoben werden, dessen Inhalt unbekannt ist, den aber der Gefreite Kat Kadz von Keiner-weiß-woher nach Keiner-weiß-wohin bringen soll.

Die Stärke des Bandes waren seine vielen Anspielungen, seine grob- und feinkalauerigen Wortwitze, seine verworrene, aber wild rasende Handlung. Die Schwäche war die absolute Ziellosigkeit des Buches, dessen Geschichte temporeich ins Nirgendwo sauste.

Neun Jahre später erscheint eine Fortführung im doppelten Sinn. Zum einen ein prologischer „Krigstein Null“, dessen Handlung vor Band 1 ansetzt ... und zum anderen eine Fortsetzung von Band 1 und Auflösung des Cliffhangers aus selbigem. Die ist natürlich keine. Wer der ominöse Krigstein ist, dessen o-beiniger Schatten am Schluß der ersten Episode zu sehen war, erfährt der Leser weiterhin nicht.

Statt dessen: Geballer, Gerummse, Gefluche und noch mehr Hauptfiguren. Leider aber auch: deutlich schalere Wortwitze, flauere Kalauer, überhaupt eine gewisse Lustlosigkeit, die sich vor allem in der Null-Ausgabe bemerkbar macht. „Krigstein“ ist weiterhin arg ziellos, macht aber deutlich weniger Spaß.

Zudem passieren hier diverse Anschlußfehler. Etwa, wenn aus der reichsdeutschen Meisterfliegerin Anna Peitsch plötzlich eine Hannah (!) Peitsch wird. Auch die Farbgebung ist insgesamt eher Glückssache, im „Null“-Band mehr noch als im schon deutlich geschickter eingefärbten „Krigstein 2“.

Leider stehen am Ende auch dieses Bandes wieder die Worte „Fortsetzung folgt ...“. Dann doch lieber den letzten „Wüttner“, wenn ich bitten darf.



Haimo Kinzler: Krigstein
Zwerchfell-Verlag
Krigstein Null: 32 S.; € 6,00
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Krigstein 1: 84 S.; € 10,00
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Krigstein 2: 72 S.; € 12,00
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» zwerchfell.de
» krigstein.de