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Die Box





Januar 2008
Felix Giesa
für satt.org

Panini kicks it Oldschool

Neil Gaiman, John Romita Jr.: Eternals


Neil Gaiman, John Romita Jr.: Eternals

Mit riesigen, göttlichen Maschinen aus Stein, deren Sinn wahrscheinlich nur den Göttern selber klar ist, huldigt Romita Jr. den King’: „Kirby, Kirby, Kirby!“


Neil Gaiman, John Romita Jr.: Eternals

Allerdings erweist er sich auch als Könner der hohen Kunst und Schüler Frank Millers, wenn es darum geht, brachiale Action in Szene zu setzen. Der Verzicht auf Bewegungslinien und Onomatopoetika, die kantigen, kräftigen Kerle und der Umstand, dass sich im Regen geprügelt wird, erinnern angenehm an Millers Superheldenadaptionen aus Mitte der 1980er.


Illustrationen © Marvel Comics 2007

In kurzem Abstand sind in der letzten Zeit zwei Comics bei Panini erschienen, bei denen es sich anbietet sie gemeinsam zu besprechen – und das, obwohl es sich um einen DC- und einen Marvel-Titel handelt. Also jeweils um einen Titel der beiden Verlage, die den amerikanischen Comicmarkt mehr oder weniger unter sich aufgeteilt haben. Bei den Gemeinsamkeiten handelt es sich einerseits um die Reanimation eines altgedienten Superheldenteams und andererseits um die Nachwehen eines Megacrossover-Events. Die jeweilige Umsetzung könnte jedoch nicht unterschiedlicher sein.

Die „Eternals“ wurden in den 1970er Jahren von Marvel-Ikone Jack Kirby kreiert und kämpfen sich seither immer wieder durch das Marvel-Universum. Geschaffen wurden sie in der Urzeit der Erde von den Celestials, kosmischen Entitäten, und sind selber in ihren Fähigkeiten eher Halbgötter als Superhelden. Als Gegenpart erschufen die kosmischen Götter die Deviants, mit denen die Eternals seit jeher im Krieg liegen. Nach den zermürbenden Ereignissen des Civil War, bei dem es darum ging, ob sich Superhelden registrieren lassen sollen oder nicht, werden nun sukzessiv alle Charaktere in die neue Kontinuität eingefügt.

In der vorliegenden abgeschlossenen Miniserie zeichnen dafür niemand anders als Neil Gaiman und John Romita Jr. verantwortlich. Gaiman präsentiert die Eternals als normale Sterbliche, die sich ihrer Kräfte und ihrer Herkunft nicht mehr bewusst sind (eine Vorgehensweise, die derzeit in den Staaten in der aktuellen Thor-Serie wesentlich weniger brillant von J. Michael Straczynski ausgeschlachtet wird). In einem wilden, aber niemals verwirrenden, Detektivspiel versuchen die verschiedenen Eternals wieder ihrer angestammten Rollen Herr zu werden – und natürlich die Welt vor dem Untergang zu retten. Gekonnt wechselt Gaiman dabei zwischen den verschiedenen Figuren hin und her und spannt so ein weit verzweigtes Intrigenspiel, welches bis zu den Anfängen der Eternals zurückreicht.

Quasi nebenbei lässt er es sich nicht nehmen immer wieder ein persönliches Statement abzugeben. In einem Dialog zwischen Iron Man und Fürst Zuras bringt er so klar seine Meinung zur Geltung, dass man sich wundern muss, dass Marvel das überhaupt gedruckt hat: „Auf welcher Seite steht ihr?“ - „Wenn Du zwei Kinder streiten siehst, wer mit welchem Müll spielen darf ... würdest Du eine Seite wählen?“ Aber auch die amerikanische Öffentlichkeit bekommt ihr Fett weg. So zum Beispiel, wenn in Einschüben immer wieder eine Doku-Soup à la „Next Topmodel“ gezeigt wird, in der neue Superhelden gecastet werden. Inklusive „Gemeinnützigen Ansagen“ - wie der von Mr. Fantastic, der Kinder zum lesen animieren soll. Wer hätte vor Jahren davon geträumt, dass ein verschmähtes, vermeintlich populärkulturelles Genre wie der Superheldencomic, es sich erlauben kann, das Fernsehen anzugreifen – und damit erfolgreich durchkommt?

Sind die erzählerischen Stärken von Neil Gaimans Plot offensichtlich, so müssen die Zeichnungen Romita Jr.s ebenfalls als offensichtlich herausragend gewertet werden. Behutsam nähert er sich den ,Urgesteinen’ und schafft in seiner Umsetzung eine köstliche Hommage an den ,King’ (also den Comic-King, nicht den anderen ...). Gerade bei den Bildern aus grauer Vorzeit, in denen die Celestials ihre riesigen Steinmaschinen erschaffen, schreit die gesamte Seite laut: „Kirby“ und all die kleinen Geeks stimmen mit ein (vgl. Abb. 1).

Geoff Johns, Dale Eaglesham.: Justice Society of America

Wie steht es nun allerdings mit den DC-Geeks? Es gibt ja so eine Art unausgesprochener Regel, dass man entweder DC- oder Marvel-Fan ist. In Jugendjahren mag das stimmen, aber ab einem gewissen Alter erweitert man doch sehr gerne seine comicologische Speisekammer und probiert auch gerne einmal einen Happen vom anderen Superhelden-Giganten. DC ist diesbezüglich ja dann auch Vorreiter, schließlich war die „Justice Society of America“ das erste Superheldenteam aller Zeiten. Damals fand man sich zusammen, um während des Zweiten Weltkriegs die Heimatfront zu verteidigen. In ihrer aktuellen Konstellation mussten sie in „Weltkrieg III“ mitkämpfen und erkannten, dass ihr Dasein durchaus relevant ist. Allerdings ist die Umsetzung in dieser neuen Serie weniger relevant. Die Handlung ist schleppend und die Dialoge driften bis in die Langeweile ab. Und warum man schon wieder einmal Nazis braucht, um Übeltäter zu haben ist auch reichlich unbefriedigend. Vielschreiber Geoff Johns schuldet dies mit Sicherheit seinem Arbeitspensum. Gleiches gilt für Zeichner Dale Eaglesham, der hier eher nur gutes Mittelmass liefert. Eigentlich schade, da es sich gerade bei der JSA um ein wirklich interessantes Team handelt, das mit „JSA: Strange Adventures“ (2004) in den letzten Jahren sogar noch eine sehr großartige Mini-Serie erlebt hat. Hoffentlich bekommt die Serie später etwas mehr Schwung. Oder es liegt daran, dass der Verfasser dieser Zeilen ein Marvel-Kind war ...



Neil Gaiman, John Romita Jr.: Eternals (= 100% Marvel Nr. 30)
Panini Comics, 228 S.; € 19.95

Geoff Johns, Dale Eaglesham: Justice Society of America
Panini Comics, 116 S.; € 12,95