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Januar 2005
Marc Degens
für satt.org

Manu Larcenet: Der alltägliche Kampf

Manu Larcenet:
Der alltägliche Kampf

Der 1969 in Frankreich geborene Comicmacher Emmanuel "Manu" Larcenet dürfte den deutschen Lesern vor allen Dingen als Zeichner zweier Serien ("Die Kosmonauten der Zukunft" und "Donjon Parade") von Lewis Trondheim und Joann Sfar bekannt sein und steht den beiden in Bezug auf Produktivität und Vielseitigkeit kaum nach. Sein Werk umfaßt autobiographische Arbeiten ebenso wie historische und agitatorische Comics.

Der im Berliner Reprodukt Verlag wie gewohnt ansprechend herausgegebene Band "Der alltägliche Kampf" ist die erste Soloarbeit, die von ihm nun auf Deutsch vorliegt. Es ist ein melancholisch-schmerzhafter Selbstfindungscomic, der dieses Jahr auf dem Festival in Angoulême als bestes Album ausgezeichnet wurde. Darin erzählt Larcenet, der es in seiner Heimat auch als Sänger einer Punkrockband zu einer gewissen Popularität gebracht hat, die Geschichte des jungen Fotografen Marco, der der Großstadt und seines Berufs überdrüssig wird, zu seinen Eltern an die Küste zurückkehrt und dort die Abgeschiedenheit und den Frieden der Natur sucht und findet. Nach und nach bekommt das heile Bild jedoch Risse, verwandeln sich Stille in Einsamkeit, Katzen in Raubtiere, Angler in Mörder. Und nachdem Marco sich in eine junge Tierärztin verliebt hat, muß er erkennen, daß nicht nur das Leben, sondern auch die Liebe ein "alltäglicher Kampf" ist.

Manu Larcenet gelingt ein eindruckvolles und sehr genaues Porträt eines neurotischen, depressiven Gefühlszustands, den man kaum heilen, aber meist aushalten kann. Gestalterisch wechseln sich realistische, detailfreudige schraffiert-gestrichelte Landschaftsbilder mit zahlreichen Panels ohne Hintergründe ab. Ein wenig mehr Sorgfalt hätte man sich allerdings bei der Gestaltung der Figuren gewünscht, die nur karikaturhaft angedeutet sind und denen in manchen Partien der Ausdruck fehlt. Meisterhaft hingegen ist die kräftig-erdige Farbgebung von Patrice Larcenet, insofern ist "Der alltägliche Kampf" eigentlich weniger sein deutsches Solo-, als vielmehr Larcenets Familiendebüt.



Manu Larcenet:
Der alltägliche Kampf

Reprodukt, Berlin 2004
56 S., EUR 13,00
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