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Mascha Kurtz
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Juni 2002
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- daily kurtz -


Mittwoch, der 5. Juni 2002


Unterwegs 2

Ich sehe aus dem Fenster und wünsche mir, in jedem Bauernhaus zu wohnen. Wohnte ich tatsächlich dort, hörte ich alle zwanzig Minuten einen Zug vorbeirauschen. Aus dem Zug betrachtet ist die Landschaft am schönsten. Ich bin nicht wirklich dort, aber ich lege meine Vorstellung in sie hinein. Ich kann mir vorstellen, dass es nach Heu riecht auf den Feldern, und dass hinter der Scheune rosige Schweine ihre Rüssel durch das Gatter strecken. Ich kann mir vorstellen, dass im Stall die Kühe mit der Hand gemolken werden und dass ich unter den Obstbäumen liegen darf. Meine Idee der Landschaft ist romantisch. In den Bergen denke ich an Rübezahl und Drachenhöhlen. Der Anblick von Ruinen löst eine angenehme Melancholie aus, die beim nächsten Schritt der Freude weicht, am Leben zu sein. Ich folge meinen diffusen Gefühlen, weil ich an nichts denken muss. Ich habe frei. Alle anderen müssen arbeiten.

Natur kriegt man vom Zug aus nicht zu sehen. Menschen haben sie zur Landschaft umgestaltet. Das Land ist gegliedert, ein angenehmer Wechsel von Feldern, Wäldchen, Flussläufen, Dörfern. Die Spuren menschlicher Anwesenheit machen das Land erst schön. Im Wald auf eine Hütte zu stoßen, am Rande eines Brunnens zu sitzen, steigert das Erlebnis. Sich im Wald zu verlaufen, macht nur Spass, wenn man bestimmt auf eine Waldschänke stößt. Natur alleine ist unheimlich. Ich genieße sie nur, so lange es nicht wirklich gefährlich wird.


 
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