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23. Juni 2010
Thomas Vorwerk
für satt.org


  Easy Virtue (R: Stephan Elliott)
Easy Virtue (R: Stephan Elliott)
Easy Virtue (R: Stephan Elliott)
Bildmaterial © Sony Pictures Releasing GmbH
Easy Virtue (R: Stephan Elliott)
Easy Virtue (R: Stephan Elliott)
Easy Virtue (R: Stephan Elliott)


Easy Virtue
(R: Stephan Elliott)

UK / Kanada 2008, Buch: Stephan Elliott, Sheridan Jobbins, Lit. Vorlage: Noel Coward, Kamera: Martin Kenzie, Schnitt: Sue Blainey, Musik: Marius De Vries, Casting: Celestia Fox, Kostüme: Charlotte Walter, mit Jessica Biel (Larita Whittaker), Ben Barnes (John Whittaker), Kristin Scott Thomas (Mrs. Whittaker), Colin Firth (Mr. Whittaker), Kimberley Nixon (Hilda Whittaker), Katherine Parkinson (Marion Whittaker), Kris Marshall (Furber), Charlotte Riley (Sarah Hurst), Christian Brassington (Phillip Hurst), Pip Torrens (Lord Hurst), Fizz (Poppy), Stephan Elliott, Sheridan Jobbins (Grumpy Party Guests), 97 Min., Kinostart: 24. Juni 2010

Schon in seinen ersten Minuten spielt dieser Film mit der Zeit, in der er spielt - und man kann es als ersten Pluspunkt anrechnen, dass die Nachrichtenschnipsel, die man hier schwarz-weiß auf einer etwas zu antiseptisch animierten Kinoleinwand sehen kann, zunächst tatsächlich als Archivmaterial durchgehen würden, ehe man Jessica Biel als Gewinnerin eines Autorennens - und Ben Barnes als ihren Beau John im Publikum - wiedererkennt.

Der Brite John wird seine amerikanische Braut seiner Familie vorstellen, und insbesondere zwischen Larita (Jessica Biel) und ihrer Schwiegermutter (Kristin Scott Thomas) wird ein Zickenterror entbrennen, der es mit aktuellen Variationen solcher Themen wie Bride Wars oder Monster-in-Law mit Leichtigkeit aufnehmen kann.

Die Stärken des Films liegen durchweg im Komödiantischen, das “Skandalträchtige”, das auch noch im deutschen Zusatztitel “eine unmoralische Frau” mitklingt, kann man heutzutage nicht wirklich mehr ernstnehmen. Colin Firth und Ben Barnes agieren als Vater und Sohn ähnlich wie im kurz darauf (unter dem selben Produzenten) entstandenen Dorian Gray, und wieder bleibt Colin Firth für seine vermeintliche Hauptrolle etwas im Hintergrund, auch wenn es ganz so aussieht, als habe man das Ende des Stücks (ich sage dies in gänzlicher Unwissenheit) ihm zuliebe etwas umgeändert.

Während Kristin Scott Thomas ihr Bestes gibt und Jessica Biel erstaunlich gut mithalten kann, sind die wahren Perlen dieses Films die kleinen Nebenrollen. Kimberley Nixon als John kleine Schwester Hilda bekommt zwar eine etwas alberne CanCan-Darbietung auf den Leib geschrieben, verleiht der Geschichte aber fast so viel Leben wie der in jeder Hinsicht göttliche Butler “Furber” (Kris Marshall), der nun wirklich nicht mehr wie ein Bediensteter aus den goldenen Zwanzigern agiert - und damit zu einer dauerhaften Quelle des Amüsements wird. Für einen derartigen Tongue-in-Cheek-Humor bedarf es normalerweise eines arrivierten Darstellers wie Rupert Everett, doch auch wenn viel zu wenige Zuschauer den Auftritt von Kris Marshall erleben werden - diese Qualität muss sich einfach durchsetzen.

Da sieht man auch gerne über die manchmal etwas deplaziert intonierten Songs von Noel Coward (von dem das Stück stammt) und Cole Porter hinweg (Ben Barnes scheint zu glauben, er befinde sich in einem Musical), und auch die etwas platte Nummer mit dem Hund ist nicht ganz so stilvoll wie der Rest des Films - hier erkennt man, dass Produzent Barnaby Thompson ja auch die aktuellen St. Trinian’s-Filme drehte - etwas Klamauk und Slapstick gehören wohl dazu. Und wenn man Songs wie Sex Bomb und When the Going gets Tough im Gewand jener Zeit wiedererkennt, entspricht dies abermals der Verbindung der jüngsten Filme Thompsons von leicht verstaubter Britishness, frivoler Erotik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und moderner spielerischer (und respektloser) Intertextualität.

Easy Virtue ist ein Film, bei dem man einerseits nachvollziehen kann, warum er mit solcher Verspätung den Weg in die deutschen Kinos fand. Zum anderen macht der Streifen aber einfach viel Spaß (selbst die missglückten Ansätze sind immer interessant), und man sollte ihn einfach auf der großen Leinwand gesehen haben - mit seinen kleinen Macken im Detail.