Anmerkungen des
satt.org-Musikredakteurs:
Es ist schon erstaunlich, welche Reaktionen eine CD-Neuerscheinung
hervorrufen kann.
Von satt.org wurde ein
Chat einberufen, in dem gleich drei Mitarbeiter
über die neue Blumfeld-CD diskutierten. Vielen Dank an dieser Stelle dem
Team der
e-workers, die uns durch die
Bereitstellung
des Chat-Raums und der Dokumentation der Diskussion zwischen Jochen,
Thomas und Marc unterstützten.
Zusätzlich schrieb Jochen eine Rezension und Marc dann ebenfalls eine
weitere. Als wäre das noch nicht genug, erwarten wir in den nächsten
Tagen sogar noch eine Besprechung, die wir der Öffentlichkeit nicht
vorenthalten werden.
Nach meiner Einschätzung gibt es zunächst fast durchweg negative
Reaktionen auf diese CD. Von agressiv oder aufgescheucht bis zu plakativ
gleichgültig, war alles dabei. Nicht nur unter den satt.org-Mitarbeitern
war derartiges Verhalten zu beobachten.
Auf der diesjährigen Popmesse in Leipzig ist die Podiumsdiskussion über
Inhalte von Popmusik, zu einer Diskussion über die neue Blumfeld-CD
verkommen.
Oftmals ist zu hören, dass man mit dieser CD nichts anfangen könne.
Allerdings wird das mit einer Vehemenz und Inbrunst getan, die mich
aufhorchen lässt.
Wann gab es in der letzten Zeit solche heftigen Reaktionen auf eine
Pop-CD?
Auf Blumfeld angesprochen, sagte Alfred Hilsberg, dass Jochen
Distelmeyer es sehr ernst meine mit dieser CD - und er sich ganz bewusst
für dieses musikalische Format zu genau dieser Textform entschieden
habe. Davon bin auch ich überzeugt.
Meiner Meinung nach liegt der Schlüssel für diese CD bereits im ersten Lied:
"Ich will sie hassen und kann's nicht lassen/in allem was sie
ausmacht, auch ein Stück von mir zu sehen"
Mir ist es schon das ein oder andere Mal passiert, dass ich Menschen
kennengelernt habe, die ich auf eine bestimmte Weise einfach nicht
ausstehen konnte. Je länger ich diesen Menschen kannte, um so mehr
wuchsen meine Abneigungen. Immer differenzierter konnte ich sagen, was
ich ach so schrecklich und untragbar an ihm fand. Es gelang mir aber
nicht, mein Interesse an der jeweiligen Person zu verlieren.
Nach ein paar Jahren Abstand von dieser Person, musste ich mir dann
eingestehen, dass es wohl die Ähnlichkeiten waren, die ich vehement
bekämpfte.
In die gleiche Richtung geht auch eine Textzeile aus einem
Stendal
Blast-Lied: "Liebe ensteht durch Abneigung, das ist auch klar …"
Um es auf den Punkt zu bringen. Diese CD ist nicht jedermanns Geschmack,
doch sie kann schon aufgrund der Reaktionen, die sie auslöst, nicht
unbedeutend sein.
Tatsächlich finde ich nur ein bis zwei Lieder musikalisch nicht
überzeugend. Dazu zählt für mich auch "Testament der Angst". Andere
Lieder sind dagegen großartig, wie zum Beispiel "Anders als glücklich".
Jochen Distelmeyer kombiniert den Text und die Musikform anscheinend so
geschickt, das wir uns veranlasst sehen, uns erst einmal dagegen zu
stellen. Man möchte sich die Haare raufen und direkt mit anderen über
diese CD reden. Man hört sie mehrmals und damit hat sie auch schon
funktioniert.
Insofern tritt Jochen Distelmeyer nicht in die Eier meiner Eltern,
sondern vielmehr hat er uns an den Eiern.
Herzlichen Glückwunsch!
FRanK