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Marc Degens
für satt.org

URSULA MenzER
ER/SIE (Vexus I-VII)

DER vor mir liegende mächtige und hübsch gestaltete Textband dER 1950 geborenen freien HamburgER SchriftstellERin Ursula MenzER ist in ERstER Linie ein WortbildERbuch und zeigt, wie aus einER netten Idee ein gigantomanisches UntERnehmen ERwachsen kann. Den Ausgangspunkt für die Arbeit dER Autorin bildete ihr Gedicht Urvexus (das Kunstwort Vexus leitet sich aus dem lateinischen VERb vexare [stark bewegen, schütteln; plagen; quälen] hER), eine Lyrik aus zwei Ebenen: die ERste Ebene besteht aus einER Schicht Nomen, in denen die Buchstabenkombination ER odER SIE auftaucht (etwa: VatER); die zweite Ebene bilden die gleichen Nomen, allERdings mit fetten und großgeschriebenen HERvorhebungen dER besagten PERsonalpronomen. Foliengleich wERden die beiden Ebenen in diesem Text leicht vERschoben übEReinandER projeziERt - hERauskommt eine nette konkrete Lyrik. Doch dieses Gedicht reichte Ursula MenzER leidER nicht aus, SIE holte den Duden odER den Dornseiff hERvor und machte einfach weitER. So bearbeitete SIE mit dem von ihr entwickelten VERfahren in dER nächsten Abteilung des Buches vERschiedenste Texte: auf dER linken Seite stehen nun die jeweiligen Originalauszüge, auf dER rechten ihre VERsion samt HERvorhebungen. Danach wird es regelrecht empirisch, die Autorin bildete seitenweise Kolonnen (von AbERglaube bis ZylindER) und für die letzten viER Kapitel wurde wiedER großformatig gedichtet. Ein bessERes Beispiel (ohne Titel):

ER
g
SIE

Stellenweise sind die ERarbeiteten dichtERischen ERzeugnisse durchaus sehenswERt, doch auf die Gesamtheit des Buches betrachtet wirken Ursula MenzERs Bemühungen hauptsächlich gequält und gekünstelt, denn die Grundidee dER Produktion ist zu unoriginell und magER, als daß man mit ihr übER hundERtundzwanzig Seiten füllen könnte (und die Tatsache, daß das ER in dER deutschen Sprache weitaus häufigER vorkommt als das SIE [insbesondERe in Prä- und Suffixen], gehört für jeden gewöhnlichen Glücksrad-ZuschauER schon zum Allgemeinplatz [vgl. E-R-N-S-T-L]). Nichtsdestotrotz ist MenzERs Buch im platonischen Sinne als Buch begriffen recht hübsch, da liebevoll und aufwendig gestaltet (wenngleich es ehER ein Ausstellungsstück als einen Lektürehappen darstellt), dennoch wünsche ich dER Autorin, daß SIE sich in Zukunft künstlERisch nicht ähnlichen, naheliegenden WortfeldERn zuwendet (etwa dem NachfolgeschlagER "ICH/DU - von abenteuerlICH bis DUmm"), sondERn stattdessen ERtragreichERe FeldER beackERt.

[Ursula Menzer: ER/SIE (VEXUS I-VII).
Verlag Monika Hoffmann, Paderborn 1996.
128 S., ca. 29,80 DM.]

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