URSULA
MenzER ER/SIE (Vexus I-VII)
DER
vor mir liegende mächtige und hübsch gestaltete Textband
dER 1950 geborenen
freien HamburgER
SchriftstellERin
Ursula MenzER ist
in
ERstER
Linie ein
WortbildERbuch und
zeigt, wie aus
einER netten Idee
ein gigantomanisches
UntERnehmen
ERwachsen kann. Den
Ausgangspunkt für die Arbeit
dER Autorin bildete
ihr Gedicht Urvexus
(das Kunstwort
Vexus leitet sich
aus dem lateinischen
VERb
vexare [stark
bewegen, schütteln; plagen; quälen]
hER), eine Lyrik
aus zwei Ebenen: die
ERste Ebene besteht
aus einER Schicht
Nomen, in denen die Buchstabenkombination
ER
odER
SIE auftaucht
(etwa: VatER); die
zweite Ebene bilden die gleichen Nomen,
allERdings mit
fetten und großgeschriebenen
HERvorhebungen
dER besagten
PERsonalpronomen.
Foliengleich wERden
die beiden Ebenen in diesem Text leicht
vERschoben
übEReinandER
projeziERt -
hERauskommt eine nette konkrete
Lyrik. Doch dieses Gedicht reichte
Ursula MenzER
leidER nicht aus,
SIE holte den
Duden
odER den
Dornseiff
hERvor und machte
einfach weitER. So
bearbeitete SIE mit
dem von ihr entwickelten
VERfahren in
dER nächsten
Abteilung des Buches
vERschiedenste
Texte: auf dER
linken Seite stehen nun die jeweiligen Originalauszüge, auf
dER rechten ihre
VERsion samt
HERvorhebungen.
Danach wird es regelrecht empirisch, die Autorin bildete
seitenweise Kolonnen (von AbERglaube bis
ZylindER) und für die letzten
viER Kapitel wurde
wiedER
großformatig gedichtet. Ein
bessERes Beispiel
(ohne Titel):
ER
g
SIE
Stellenweise sind die
ERarbeiteten
dichtERischen
ERzeugnisse
durchaus
sehenswERt, doch
auf die Gesamtheit des Buches betrachtet wirken
Ursula MenzERs
Bemühungen hauptsächlich gequält und
gekünstelt, denn die Grundidee
dER Produktion ist
zu unoriginell und
magER, als
daß man mit ihr
übER
hundERtundzwanzig
Seiten füllen könnte (und die Tatsache, daß das
ER in
dER deutschen
Sprache weitaus
häufigER
vorkommt als das
SIE
[insbesondERe in
Prä- und Suffixen], gehört für jeden
gewöhnlichen
Glücksrad-ZuschauER
schon zum Allgemeinplatz [vgl.
E-R-N-S-T-L]). Nichtsdestotrotz ist
MenzERs Buch im
platonischen Sinne als Buch begriffen recht hübsch, da
liebevoll und aufwendig gestaltet (wenngleich es
ehER ein
Ausstellungsstück als einen Lektürehappen darstellt),
dennoch wünsche ich
dER Autorin,
daß SIE sich
in Zukunft
künstlERisch
nicht ähnlichen, naheliegenden
WortfeldERn
zuwendet (etwa dem
NachfolgeschlagER
"ICH/DU - von
abenteuerlICH bis
DUmm"),
sondERn stattdessen
ERtragreichERe
FeldER
beackERt.
[Ursula Menzer:
ER/SIE (VEXUS I-VII).
Verlag Monika Hoffmann, Paderborn 1996.
128 S., ca. 29,80 DM.]
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