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April 2008 | Felix Giesa für satt.org |
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| Ein Besuch im SchneckenhausHeinz Janisch ist so etwas wie der Lyriker unter den deutschsprachigen Kinderbuchautoren. Wie kaum ein anderer findet er die passenden Worte, um kindliche Phantasien in knappen Sätzen einzufangen. Was liegt da näher, als das dieser Sprachpoet ein Buch zusammen mit einer der aktuell vielversprechendsten Bilderbuchillustratorinnen macht? Anscheinend nichts und so entstand glücklicherweise zusammen mit Isabel Pin „Eine Wolke in meinem Bett“. Eine graue Vorstadtumgebung bildet den Ausgangspunkt für eine Erzählung der Tageserlebnisse, wie sie es leider nur in Kinderbüchern gibt. „Heute habe ich mit einem Gorilla auf einem Baum gesessen“, erzählt das Mädchen ihrem Spielkameraden. „Was habt ihr gemacht?“ - „Hausaufgaben.“ Natürlich, so hätte man es ja auch selbst getan. Aber nicht nur Hausaufgaben wurden gemacht, zumindest verrät dies das entsprechende Bild von Isabel Pin: Die herunterfallende Bananenschale zeugt doch zumindest von lukullischen Freuden. In dieser Form von Frage-und-Antwort erzählt das Mädchen im roten Kleid und den grünen Strümpfen von einem Tag, der sicherlich viel schöner war, als ein typischer Tag im Plattenbau. Heinz Janisch gelingt es dabei mit einer unglaublichen Leichtigkeit mit den wenigen Bemerkungen eine Landschaft zu entwerfen, die mit ihrer sympathischen Absurdität wunderbar einladend wirkt. Das man nebenbei allergeheimste Geheimnisse erfährt, versteht sich dabei fast von selbst: „Heute habe ich gehört, was die Fische in der Nacht machen. [...] Sie spielen Trompete!“ Die Bilderbücher des Aufbau-Verlags begeistern schon immer durch ihre liebevoll bibliophile Aufmachung mit Halbleineneinband und hochwertigem Kunstdruckpapier. Und auch innen findet sich zumeist ein überzeugendes gestalterisches Konzept. So auch im hier besprochenen Fall. Die insgesamt elf Fragen sind immer auf der linken Seite platziert. Dabei stehen der Initialsatz und die Frage des Freundes immer oben links, die Frage typografisch hervorgehoben und so die Neugier sowohl des Jungen als auch des kindlichen Lesers hervorhebend. Hingegen findet sich die Antwort unten rechts, jeweils quasi als Überleitung in das Bild auf der rechten Seite. Isabel Pins Bilder bestechen durch einen klaren, beinahe schon beruhigenden, Bildaufbau. In weichen, pastellenen Aquarellfarben wie Blau, Braun-grau und Grün gestaltet sie ihre Umgebung. Diese wird immer nur von wenig Inventar bevölkert. Wenn die Erzählerin zum Beispiel berichtet „Heute war ich in einem ganz besonderen Haus eingeladen“, dann finden sich auf der Bildfläche lediglich ganz am Rand ein Bein des Mädchens und eine kleine Schnecke. Den Rest der Seite füllt das Grün des Gartens, schließlich fand der Besuch im Schneckenhaus statt. Während auf der letzten Doppelseite des Buches die beiden Kinder „auf dem schönsten Baum der Welt“ sitzen, gesellen sich die erzählten Gefährten und einige potenzielle neue, allesamt lediglich fein umrandet angedeutet, zu ihnen. Janischs Geschichten regen auch immer zum selber erzählen und weitererzählen an und so endet die Geschichte konsequent mit der Aufforderung an den Jungen: „Jetzt höre ich deinen Geschichten zu ...“ „Eine Wolke in meinem Bett“ ist ein weiterer Beweis dafür, wie ansprechend moderne Bilderbücher sein können. Und es zeigt sich, dass sich auf dem hart umkämpften Markt der Kinderliteratur die mannigfaltigsten Entwicklungen derzeit in der Bilderbuchsparte abspielen. Das erkannte auch die Jury des „Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises“ an und zeichnete „Eine Wolke in meinem Bett“ als bestes Bilderbuch 2008 aus. Heinz Janisch und Isabel Pin: |
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