Anzeige:
Anzeige:
Marc Degens: Verführung der Unschuldigen. Roman





Oktober 2007
Thomas Vorwerk
für satt.org


Invasion (R: Oliver Hirschbiegel)
Invasion (R: Oliver Hirschbiegel)
Invasion (R: Oliver Hirschbiegel)
Bilder © 2007 Warner Bros. Ent.
Invasion (R: Oliver Hirschbiegel)
Invasion (R: Oliver Hirschbiegel)
Invasion (R: Oliver Hirschbiegel)

Invasion
(R: Oliver Hirschbiegel)

Originaltitel: The Invasion, USA 2007, Zusätzlicher Regisseur: James McTeigue, Buch: David Kajganich, Lit. Vorlage: Jack Finney, Kamera: Rainer Klausmann, Schnitt: Hans Funck, Joel Negron, Musik: John Ottman, mit Nicole Kidman (Carol Bennell), Daniel Craig (Ben Driscoll), Jeremy Northam (Tucker Kaufman), Jackson Bond (Oliver), Jeffrey Wright (Dr. Stephen Galeano), Veronica Cartwright (Wendy Lenk), Josef Sommer (Dr. Henryk Belicec), Celia Weston (Ludmilla Belicec), Roger Rees (Yorish), Eric Benjamin (Gene), Susan Floyd (Pam), Stephanie Berry (Carly), Alexis Raben (Belicec's Aide), Adam LeFevre (Richard Lenk), Joanna Merlin (Joan Kaufman), Field Blauvelt (Census Taker), Michael Andrew Kelly (Dog Owner), Luray Cooper (Cop in Tunnel), Nanna Ingvarsson (Panicked Woman in Tunnel), Kinostart: 18. Oktober 2007

Es gibt einige Klassiker der Weltliteratur, die werden immer wieder neu verfilmt. Dazu gehören natürlich jene Theaterstücke, die zum Standard-Repertoire jeder Bühne gehören. Shakespeares Romeo & Julia soll bereits über 80 Verfilmungen erfahren haben. Einige Romane des 19. Jahrhunderts wie Dracula, Frankenstein oder Dr. Jekyll & Mr. Hyde haben je nach technischer Machbarkeit auch schon viele Filmversionen durchlebt, doch bei Romanen jüngeren Datums ist dieses Phänomen nur selten zu beobachten. Es ist schwierig, dies zu recherchieren, aber Jack Finneys Body Snatchers von 1955 sollte so etwas wie der Rekordhalter in dieser Hinsicht sein, allemal, was das Genre Science Fiction angeht. Richard Mathesons I am Legend, dessen dritte Kinoverfilmung Anfang nächsten Jahres in die deutschen Kinos kommt, ist schon beachtlich, aber Finneys Roman wurde durchschnittlich alle zehn Jahre verfilmt: 1956 von Don Siegel, 1978 von Philip Kaufman, 1993 von Abel Ferrara, 1998 von Robert Rodriguez und nun, 2007, von Oliver Hirschbiegel zum bereits fünften Male. Bei den vier zuvorigen Versionen gab es mit der Ausnahme von Kaufmans enttäuschender Abhandlung über die Unterschiede zwischen Kapern und Rattenködeln jeweils ein interessantes Thema, mit dem die Geschichte unterfüttert wurde, angesichts der Gerüchte über den Nachdreh ohne Regisseur Hirschbiegel war meine Befürchtung beim Starvehikel mit Daniel Craig und Nicole Kidman (die schon durch ihre Hauptrolle beim Remake des thematisch ähnlich gelagerten The Stepford Wives Altlasten mit sich bringt), daß es diesmal kein Thema geben würde abgesehen vom Standard-Thema aller Hollywood-Filme: “Wir drucken uns jetzt Geld”.

Doch meine Befürchtungen waren voreilig, denn nicht nur ist The Invasion eine immens spannende Version des Stoffes, die oft an moderne Zombiefilme erinnert, auch ist der Film politisch unterfüttert, denn eine der Hauptthesen ist es, daß die Menschheit unter außerirdischer Leitung nicht mehr von Kriegen und anderen Greueltaten geschüttelt werden würde. Ähnlich wie bei I am Legend steht am Schluß also die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, einen Kampf zu führen, denn man nicht gewinnen kann, oder ob man sich der neuen (besseren?) Weltordnung unterordnen soll und ein glückliches und harmonisches Leben führen sollte.

Doch bevor solche philosophischen Fragen natürlich durch Action beantwortet werden, besticht der Film vor allem durch seine schleichende Atmosphäre. Als gute Idee des Drehbuchautoren David Kajganich muss man die Vermischung der (gar nicht mal dummen) Aliens mit Regierungselenten hervorheben. So ist eine der ersten infizierten Personen Tucker Kaufman (Jeremy Northam), das Oberhaupt der “Seuchenkontrolle” (und nebenbei der Ex-Mann der von Nicole Kidman gespielten Figur), und er nimmt es sofort nach dem REM-Schlaf, der zur Übernahme der menschlichen Gastkörper durch die Aliens nötig ist, auf sich, einem vermeintlichen “Grippevirus” durch staatlich verordnete Massenimpfungen entgegenzuwirken. Schon bei einer Pressekonferenz fällt dem aufmerksamen Betrachter auf, daß die Bediensteten in ihren Bewegungen roboterhaft wirken, und der erste Horrormoment ist dann der, wenn das Service-Personal vor dem Umhergehen mit Kaffeethermen nochmal ungesehen und unisono in diese “hineinreihert”, um auch die Presse ziemlich schnell auf der eigenen Seite zu haben. Dieses Thema zieht sich durch den ganzen Film, und wenn man bemerkt, daß die Frau auf der anderen Seite des Bettes sich plötzlich seltsam verhält oder ein Familienvater dem plötzlich durchdrehenden Hund der Familie das Genick bricht, ist ein Anruf bei der Polizei das beste Mittel, um auch bald Teil der Invasion zu sein.

Andere Elemente wie die Mutter-Sohn-Geschichte, die ein wenig an Spielbergs War of the Worlds erinnert, und über eine Immunität des Kindes auch noch einen unwahrscheinlichen Hofnungsschimmer bringt, überzeugen nicht völlig, und für den informierten Betrachter gehört es zu den kleinen Spielchen, darüber nachzudenken, welche Szenen wohl von Joel Silver-Epigonen James McTeigue (V for Vendetta) nachgedreht wurden, um den Film den Ansprüchen des (als blöd angenommenen) amerikanischen Mainstream-Publikums gerecht zu werden. Die lange Verfolgungsjagd am Schluß? Die Adrenalinspritze ins Herz? Ungeachtet solcher Überlegungen legt Oliver Hirschbiegel (Das Experiment, Der Untergang) mit The Invasion ein überzeugendes Hollywood-Debüt vor, das in zehn Jahren erstmal wieder übertroffen werden muß.